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Spandau genehmigt sich ein Fest für 80 000 Euro
Von Brigitte Baecker
Spandau - Mit einem «Festival der Partnerstädte» sollen die seit 50 Jahren bestehenden Beziehungen zum
Kreis Siegen-Wittgenstein und der Stadt Siegen vom 24. bis 30. Juni in Spandau und vom 3. bis 6. Oktober
in der nordrhein-westfälischen Kreisstadt gefeiert werden. So forderte es die CDU 2000, und die
Fraktionen von CDU, FDP und SPD nahmen die vorläufige Planung jetzt billigend zur Kenntnis.
80 000 Euro (156 500 Mark) soll der Spaß kosten - zu bezahlen aus der Bezirkskasse. Obwohl dafür weder
Haushaltstitel noch Geld vorhanden sind und für alle kulturellen Veranstaltungen im Bezirk nur 5000
Euro (9780 Mark) verfügbar sind. Vom Bürgermeisterbüro veranschlagte Kosten für die «Jubiläumstage» im
Detail: 16 000 Euro für die Unterbringung von Künstlern, Kapellen und Sportlern, 10 500 für ein
Volksfest auf der Zitadelle, 6000 für Buttons, Flyer und Plakate, 5000 für ein Feuerwerk, 2600 für den
Festakt und so weiter.
20 000 Euro sollen für die «Darstellung des Jubiläums in den Spandau Arcaden mit Kulturbeiträgen und
regionaltypischen Besonderheiten . . .» ausgegeben werden.
Spätestens hier hätten bei Antragsteller CDU und anderen Bezirksverordneten Sturmglocken läuten müssen.
Steht in der Altsstadt nach Eröffnung des Supereinkaufszentrums inzwischen doch mindestens ein Drittel
aller Verkaufsflächen leer. Hatte es in der Antragsbegründung für das Festival nicht geheißen, das Fest
solle zur «Attraktivitätssteigerung der Altstadt» beitragen?
Bürgermeisteramts-Mitarbeiter Lars Neunherz-Marx begründet den Fest-Ort Arcaden damit, dass die
«Tourismus-Präsentation von Siegen-Wittgenstein nicht eine Woche unter freiem Himmel stehen» wolle, und
mit dem Festprogramm die Bühne auf dem Markt ja nur von 15 bis 18 Uhr bespielt würde.
Für die Jubiläumstage in Siegen veranschlagt das Bürgermeisterbüro je 5000 Euro für Transfer der
Spandauer Teilnehmer sowie Aufbau einer Spandau-Ausstellung, des weiteren 2500 Euro für die Präsentation
von Gastronomie, Kunsthandwerk, Kultur und Tourismus.
Für die offiziellen Teilnehmer will der Bezirk aber kein Geld ausgeben. So haben sich bis zum
Anmeldeschluss 25. Januar im Bürgermeisterbüro auch nur zehn Interessenten gemeldet, unter ihnen fünf
Stadträte und der BVV-Vorsteher. Die Bezirksverordneten scheinen von der Partnerschaft nicht mehr so
begeistert. Die CDU-Fraktion wäre zwar im Oktober gern nach Siegen gefahren. Ihr Vorschlag, CDU und SPD
deklarieren den Ausflug zur Fraktions-Klausurtagung, womit die Hauptkosten der Steuerzahler getragen
hätte, wurde von den Sozialdemokraten abgelehnt. Nun jubilieren Bezirksverordnete wohl nicht in Siegen,
obwohl sie und Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU) in der BVV noch lautstark bekräftigten, dass sich
Volksvertreter lebhaft an dem Dank für jahrzehntelange Unterstützung Spandauer Familien beteiligen würden.
Zurück zum Geld: Die Bezirkskasse ist leer, Besserung nicht zu erwarten. Also dürften die beiden
«Festivals» eigentlich nicht stattfinden. Vielleicht probieren die Veranstalter mal das «Modell
Salomon». Der damalige Bürgermeister hat zur 750-Jahr-Feier 1982 von Sponsoren rund 500 000 Mark Bares
und eine Million Sachmittel zusammengeschnorrt.
Quelle: Bericht von Brigitte Baecker aus der BMP vom 29.01.2002
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