Foto: Rainer Fedke


Schultheiss, Kindl, Groterjahn
Express-Historie von A. Behmel

Wer sich schon mal gefragt hat, warum es Berliner Kindl heißt und nicht Berliner Bengl oder Berliner Göre, dem ist sicher aufgefallen daß Kindl ja doch ein baierisches Wort ist und damit haben wir schon die Halbe... Erklärung: Die entsprechende Brauerei in Rixdorf, heutiges Neukölln, hat den Gerstensaft nämlich nach einem baierischn Rezept hergestellt und nicht nach traditioneller Berliner Technik und das wollte man auch dem letzten Schluckspecht aus Rixdorf reinzapfen. Da wir Berliner jetzt alles wahnsinnig lieben, was aus Bayern kommt, ist das komischerweise die richtige Marketingentscheidung gewesen. Unser Kindl wuchs und wuchs, bis mehr oder weniger alle kleinen Brauerein geschluckt waren, dann war erstmal Schluß mit der Schaumschlägerei.

Unter anderem war da die Brauerei Groterjahn, gegründet von dem gleichnamigen Johann Christof, ein patenter Kerl, der ne neue Art Malzbier erfunden hatte und sich gar nicht schlecht auf dem Markt behauptet hat, bis leider das Malzbier ein wenig aus der Mode kam. Heute besteht noch die Villa Groterjahn in der Milastraße 2 und erinnert an ihre eigene malzige Geschichte mit einer winzigen Schokoladeneskapade drin. Außerdem sind viele Räume noch orginal erhalten, genau wie zur Gründerzeit, genau wie im Mahlsdorfer Museum von der Charlotte von Mahlsdorf.

Die Karriere der Brauerei Schultheiss gehört auch zu den Erfolgsgeschichten von Berlin, die sozusagen als Kölsch angefangen haben und langsam aber planvoll vor sich hinfusionierten, zum Beispiel mit Patzenhofer, bis eine richtige Maß daraus entstanden ist; ein Weltunternehmen, obwohl das deutsche Reinheitsgebot hier erst seit 1906 verbindlich ist. In so einer Brauerei kann man natürlich auch Besichtigungen machen, damit man besser versteht, was man so literweise in sich reinschüttet, im Laufe des Tages. Manche sagen, daß die Berliner Weiße ein hugenottisches Nationalgetränk war, andre sagen, die Berliner Weiße verdankt ihre versoffne Existenz einem Zufall - wie auch immer, heute steht die Pilsner Brauart so hoch im Kurs, daß die Vermischungskunst der Berliner Weiße mit weniger als 9 Prozent Marktanteil im Schnitt immer mehr in Vergessenheit gerät; Weiße mit Schuß rot oder grün - pur schmeckt sie eben zu sauer, auch den echten Berliner Kindl.

Fortsetzung folgt....



Quelle: a. behmel, 2004


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