Abgeschickt von Konsumgegner am 21 Dezember, 2004 um 20:34:09:
Ne,ne, auch dies Jahr ging ich nicht auf den Weihnachtsmarkt zwischen Handyschalen, Plüschteddys, Pferdefettsalbe zur Heilung und Käsereibe-Marktschreier mit einem Hauch von China-Imbiss. Wer sich so etwas antut, tut mir Leid. Da fällt mir nur noch folgendes ein:
Nun, ich finde es bedungen,
Doch ich fuehl' mich dazu gezwungen,
Heut' die Dichtkunst zu betreiben
Um meinen Ekel zu beschreiben.
Der Ekel packte mich ganz ploetzlich,
Denn was ich sah, das war gar koetzlich:
Was ich sah war'n tausend Aersche
Im Zuge ihrer Weihnachtsmaersche.
Arglos fuhr ich durch die Stadt,
Doch schon am Neumarkt war ich platt.
Denn die groesste aller Schanden,
Der Weihnachtsmarkt, war dort entstanden.
Ein Weihnachtsmarkt, das ist ein Ort
Wo tausend Deppen immerfort
Mit Freuden ihre Kohle lassen,
Bereit, fuer Dreck sie zu verprassen.
Es ist ein Ort, wo hundert Buden,
Besetzt mit ekelhaften Luden
Zum Ergoetzen aller Nieten
Den letzten Dreck zum Kauf feilbieten.
Ein Weihnachtsmarkt, der bringt es voll,
Denn schon die Stimmung, die ist toll.
Und hast du das noch nicht kapiert,
Dann hast du's wohl noch nie probiert.
Geh' doch mal hin und sieh dir an
Was man dort alles kaufen kann.
Eine Abfallflut wie die
Bewaeltigt keine Deponie.
Es stinkt nach Fettwurst, Leute draengeln,
Und weihnachtsgeile Baelger quengeln.
Und mit was Glueck -- das ist der Renner --
bekotzt dich auch ein Gluehweinpenner.
Also: Wenn's am Neumarkt stinkt
Und jeder Krueppel drueberhinkt
Und dann auch noch der Sperrmuell parkt
Dann nennt man das den Weihnachtsmarkt.
Drum gehet alle Jahre wieder
Zum Weihnachtsmarkt und brennt ihn nieder.
Erst einer, zwei, dann drei und vier,
Dann brennen alle -- ab dafuer!
Und falls ein neuer Markt erwaechst wie Phoenix aus der Asche,
Dann geht nach Haus, holt ein Stativ und eure Fototasche.
Dann sucht euch einen schoenen Platz und baut das Ganze auf.
Und wenn der Weihnachtsmarkt dann steht: Ton ab, Film ab, Bombe drauf!
P.S.:
Im Gegensatz zu and'ren Jahren
Seid ihr sicher vor Gefahren
Weil der bloede Weihnachtsmann
Diesmal keinen reissen kann.
Denn gestern hab' ich ihn getroffen
Auf seinem Schlitten, stockbesoffen.
Ich rammte ihn und lachte herzlich,
Denn seine Weiterfahrt war schmerzlich.
Sein Schlitten rutschte aus der Bahn
Und raste mit 'nem Affenzahn
Hinab auf einem steilen Pfad
In einen Zaun aus Natodraht.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann schreit er noch zur Stunde
Und wenn der Schrei verklungen ist, dann gibt's 'ne neue Wunde.