Abgeschickt von Otto Eigen am 30 Mai, 2004 um 17:47:39
Zum Volksblatt-Artikel: Rennstrecke Kladow vom 26. Mai 2004
Die Äußerungen der Bundeswehrverantwortlichen über ihr „rasendes Personal“ erschrecken. Es sind die typischen Totschlagargumente gegenüber kritischen Stimmen (hier des Jürgen Klausing).
Beispiele: „Kladower Anwohner rasen ja auch“ oder: „Soldaten sind Teil der Gesellschaft, daher fahren einzelne schneller, als die Polizei erlaubt.“
Ich dachte bisher immer, dass Menschen in Uniform Vorbild sein sollten. Stattdessen wird ihr Fehlverhalten relativiert und schöngeredet.
Dass Verkehrsverstöße im Dienst durch den zuständigen Vorgesetzten wirklich (ausreichend) verfolgt werden, kann ich nach dieser Relativierung und den immer wieder beobachteten Verstößen auch kaum glauben, kontrollieren kann es die Zivilbevölkerung eh nicht. Dass Verkehrsverstöße außer Dienst, aber in Uniform wie vorstehend gerechtfertigt werden, spricht für sich. Das einzig Positive an diesem Bericht ist, dass die Verstöße wenigstens nicht geleugnet werden.
Es ist fast erstaunlich, dass der Oberstleutnant Kruse nicht noch ein anderes, von einem seiner Kollegen schon einmal vorgebrachtes Argument gebracht hat: „Die Uniformierten müssten sich ja schließlich mit ihrem Tempo einigen Kladower Anwohnern anpassen.“ Wenn das die Gelassenheit unserer Beschützer ist, dann muss man vor ihrem Verhalten bei ernsthaften Belastungen ja richtig Angst bekommen.
Was an dieser Berichtserstattung aber auch noch unangenehm auffällt, ist die Bemerkung im Schlusssatz: „Zu weiteren, seiner Meinung nach wenig sachlichen Äußerungen Klausings wolle er keine Stellung nehmen“. Er stellt Unsachlichkeit des kritischen Bürgers Klausing in den Raum, benennt sie aber nicht konkret, so dass beim „schnellen“ Leser zwangsläufig hängen bleiben muss, Klausing wäre wirklich unsachlich gewesen. Das dient offensichtlich dazu, einen Kritiker zu diskreditieren und für die Zukunft zu schwächen. Das ist ein Stil der miesesten Sorte, schade, dass der Journalist Ud den Rest der dritten Spalte im Volksblatt-Bericht damit auch noch gefüllt hat.